Geschäftsmodelle lassen sich mitunter leichter nachhaltig gestalten, wenn damit wirtschaftliche Vorteile erzielt werden können. Wird dieser Maßstab auch an soziale Nachhaltigkeit angelegt?
Wienberg: Die Stärkung sozialer Nachhaltigkeit führt in der Regel zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, weniger Krankheitstagen und geringerer Fluktuation. Dahinter verbergen sich durchaus harte ökonomische Zahlen. Es fällt außerdem schwer, ökologische und ökonomische Ziele zu erreichen, wenn Arbeitsplatzsicherheit nicht vorhanden ist.
Styles: Gerade in dem heutzutage sehr umkämpften Azubi-Markt hat ein Unternehmen auf sehr vielfältige Weise etwas von mehr sozialer Nachhaltigkeit. In den Interviews, die wir im Rahmen unserer Bedarfsanalyse geführt haben, ist von den Unternehmen auch immer wieder das Thema Recruiting angesprochen worden. Hier spielen gute Arbeitsbedingungen eine entscheidende Rolle.
Soziale Nachhaltigkeit kann demnach ein Attraktivitätsmerkmal für Betriebe sein?
Styles: Ja, bei Auszubildenden ändern sich die Wünsche und Ansprüche in Sachen Mitgestaltung. Sie wollen sich ein Stück weit selbst verwirklichen und achten gleichzeitig auf die Work-Life-Balance. Darauf muss man als Unternehmen eingehen. Auch das Thema Gesundheit und Psyche wird als wichtiger Faktor für den Erfolg eines Unternehmens angesehen. Hier sehen wir Potenzial für das Projekt, eine große Wirkung zu entfalten.
Wienberg: Soziale Nachhaltigkeit macht etwas mit der Kultur des Arbeitens. Sie fördert den Spaß am Arbeiten und auch die Reputation eines Unternehmens.
Mit Angeboten für Ausbildungspersonal setzt BASINtech direkt bei der Integration junger Leute in Unternehmen an. Warum?
Styles: Die Auszubildenden sind im besten Fall die nächste Generation der Beschäftigten im Betrieb. Wenn Nachhaltigkeit für sie zu einer Selbstverständlichkeit wird, hat dies einen sofortigen Effekt auf den ganzen Betrieb. Insofern ist die Ausbildung zwar nicht der einzige aber ein sehr guter Ansatzpunkt, um die organisatorische Kultur von Unternehmen und damit die Lebenswelt von Beschäftigten umfassend zu verändern.
Auf welche Hindernisse kann man im Streben nach mehr Nachhaltigkeit stoßen?
Wienberg: Das Thema Nachhaltigkeit wird nicht immer positiv gedeutet. Es kann durchaus mit Einschränkungen assoziiert werden. Deshalb ist wichtig, die Sinnhaftigkeit auf individueller Ebene erlebbar zu machen. Wenn das Thema nur auf oberster Unternehmensebene strategisch vorgegeben wird, gelingt dies nicht.
Styles: Unternehmen sollten dafür sorgen, dass Maßnahmen zur Stärkung von Nachhaltigkeit für alle Beschäftigten sichtbar sind. Das kann Bio-Kost in der Kantine sein, die Anschaffung von E-Fahrzeugen oder die Koordination von Azubi-WG’s. Gezielte Angebote, die sichtbar sind und für kulturelle Veränderung stehen, sind wichtig. So kann individuelle Akzeptanz entstehen.
"Unser Ansatz ist, dass wir ein Angebot entlang der Bedarfe unserer Partnerunternehmen entwickeln."
Prof. Dr. Jana Wienberg